PSD2: buntes Buffet statt eigenes Süppchen

PSD2 kommt. Soweit ist man sich einig in der Finanzbranche. Was aber bedeutet das für die einzelnen Institute, für die Kunden, ja, für die Zukunft der Bankenlandschaft überhaupt? Wenig Gutes, so der Tenor, denn allzu viel steht für die Banken auf dem Spiel. Sie sehen ihre exklusive Rolle gefährdet und befürchten, dass ihnen Drittanbieter Umsatzanteile wegnehmen. Wenn sie die Regulierung als Muss ansehen und sie nur widerwillig umsetzen, wird es sicher so kommen. Besser wäre jedoch, PSD2 als Chance zu begreifen, an der eigenen Wettbewerbsstärke für die digitale Zukunft zu arbeiten.

Die gute Nachricht: Banken bietet ihren Kunden heute flächendeckend Digital und Mobile Banking an. Allerdings kocht jedes Institut sein eigenes Süppchen und ist peinlich darauf bedacht, sich von der Konkurrenz nicht in dieses spucken zu lassen. Erhältlich in verschiedenen Geschmacksrichtungen und appetitlich angerichtet, schmeckt es den Kunden durchaus. Nur über den Tellerrand können sie nicht schauen. Mit PSD2 geschieht nun etwas Unerhörtes: Über standardisierte Schnittstellen, sogenannte APIs, sollen sich die Banken für Drittanbieter öffnen.

Angst vor Unbundling

Der Kunde kann sich sein individuelles Digital Banking so ganz nach seinem Geschmack zusammenstellen – es muss ja nicht immer die gleiche Suppe sein. Zunächst verliert die Bank dadurch den direkten Kontakt zum Kunden. Sie ist nicht mehr als exklusiver Dienstleister für sämtliche Finanzservices gesetzt. Unter dem Schlagwort „Unbundling“, Entflechtung, geistert dieses Gespenst derzeit durch die Bankenwelt: Die Anwender bröseln ihr Banking auseinander, bedienen sich hier und da und picken schlimmstenfalls nur einige wenig lukrative Krumen wie die Kontoführung bei ihrer Hausbank auf.

Gewiss: Die Zahl der Fintechs, die angetreten sind, um alles besser und vieles günstiger zu machen, ist groß. Eine Reihe von Start-ups hat gute Ideen technisch überzeugend umgesetzt und Ansätze entwickelt, die die Erlebnisqualität schnöder finanzieller Transaktionen nach oben schnellen lassen. Aber die schöne neue Bankingwelt hat einen Haken: Sie ist unübersichtlich und schmälert den Kundennutzen, wenn der Anwender für unterschiedliche Aktivitäten zwischen verschiedenen Apps hin- und herspringen muss.

Open Bank als Orchestrator

Dem kann das traditionelle Finanzinstitut als Open Bank Abhilfe schaffen. Indem es Drittanbietern wie Fintechs, großen Technologieunternehmen und anderen Banken eine offene Plattform für ihre Dienste bietet, kann es sich als Orchestrator positionieren. Es bündelt erneut alle zuvor entflochtenen Services (Rebundling) – mit dem Unterschied, dass diese nun auch von Drittanbietern erbracht werden können. Über den Umweg von PSD2 stärken die Banken so ihre Position gegenüber dem Kunden, da sie innerhalb ihrer sicheren Bankenumgebung alle gewünschten Services bereithalten und übersichtlich über eine einzige Anwendung zugänglich machen.

Mit unserem Digital Banking Hub schaffen wir dazu die Voraussetzungen. Die Technologieplattform ermöglicht den Unternehmen, verschiedene Angebote digital zu orchestrieren, das Lösungsspektrum jederzeit anzupassen und um eigene sowie Drittanwendungen zu erweitern. Neue Geschäftsmodelle lassen sich so gleichermaßen umsetzen wie bestehende Widgets in eine innovative Umgebung migrieren. Unsere Public APIs orientieren sich an der aktuellsten Version des NextGenPSD2 Framework der Berlin Group und dem Sicherheitsstandard OAuth (Open Authorization) 2.

PSD2 out of the box

Nach dem Motto „PSD2 out of the box“ enthält der Digital Banking Hub alle Komponenten, um die gesetzlichen Anforderungen umzusetzen. Neben den Public APIs sind etwa die Anbindung ans Banken-Backend sowie das API Management zentrale Punkte. Letzteres umfasst folgende Features:

  • Ein Registrierungsprozess stellt sicher, dass der Open-Banking-Anbieter stets die Hoheit über seine Banking-Umgebung behält und weiß, welche Drittanbieter welche Services über seine Plattform erbringen.
  • Eine adaptive Authentifizierung ermöglicht, die Rechte individuell an Drittanbieter anzupassen.
  • Über das Agreement Management wird die Zustimmung der Kunden zum Datenzugriff Dritter verwaltet.
  • Auch Analysen, etwa zur Nutzung der Anwendungen, sind integriert.

Finanzinstitute entscheiden mit dem Digital Banking Hub selbst, wie weit sie sich auf das Open Banking einlassen wollen. Von „comply only“ bis zum voll entwickelten Digital Platform Player ist alles möglich. Als zukunftsfähig wird sich allerdings erweisen, den Zugang der Drittanbieter ins eigene Ökosystem zu monetarisieren oder selbst in die Rolle eines Serviceanbieters innerhalb der Umgebung anderer Player zu schlüpfen.