P2P Payment: „nur“ ein Feature oder Must-have für Banken?

Konsumenten fragen verstärkt digitale Alternativen zum Austausch von Bargeld nach. Im Sinne der Kundenbindung führt deshalb für Finanzinstitute kaum ein Weg am P2P (Peer to Peer) Payment vorbei. Noch stellt sich der Markt allerdings recht unübersichtlich dar – einfache Lösungen sind gefragt.

Wenn künftig der Verwandte mit den „Spendierhosen“ das Portemonnaie vergessen hat, muss der Enkel oder der Nachwuchs der Geschwister trotzdem nicht leer ausgehen – vorausgesetzt, das Smartphone ist mit dabei. Per P2P Payment lassen sich im Handumdrehen Geldgeschenke auf das Smartphone des Empfängers überweisen. Das mobile Endgerät wird zur Geldbörse und macht seinen Besitzer als vollwertiges Mobile Payment Tool vom Bargeld unabhängig.

Unübersichtlicher Markt

Bisher prägten vor allem Online-Bezahldienste wie PayPal, die klassischen Kreditkartenunternehmen (VISA, Mastercard) und spezialisierte Anbieter den Markt, der sich insgesamt unübersichtlich darstellt. „Jedes Jahr drängen in Deutschland neue P2P-Anbieter auf den Markt, andere verschwinden wieder“, so Fintech-Experte Jochen Siegert. In einer Marktübersicht hebt er im August 2017 hervor: „P2P Payment ist ein reines Feature, welches idealerweise in Chats, Plattformen, Betriebssystemen oder eben Banking-Apps ‚mitkommt‘ und voll-integriert Mehrwerte für den Chat, die Plattform etc. stiftet.“

Wenn auch „nur“ ein Feature, kann sich das P2P Payment schneller als die Bankenwelt vielleicht wahrhaben will, zum K.o.-Kriterium entwickeln. Denn viel angenehmer als das Einsammeln von Bargeld für das gemeinsame Überraschungsgeschenk zum runden Geburtstag oder das mühsame Rechnungssplitten im Restaurant ist es, die zu zahlenden Beträge diskret per Touch auf den Screen des Smartphones von App zu App wandern zu lassen.

P2P Payment: Integration in Digital Banking

Da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, ist kaum davon auszugehen, dass der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis sich auf eine gemeinsame App einigt. Vielmehr muss es möglich sein, Geld zu transferieren, ohne in ein und derselben Anwendung registriert zu sein. Der „gemeinsame Nenner“ könnte sein, dass alle Beteiligten eine (beliebige) Mobile-Banking-Anwendung nutzen, die auch für P2P Payment ausgelegt ist. „Es handelt sich schlicht um eine einfachere, elegantere und vor allem schnellere Methode des herkömmlichen Online-Bankings“, heißt es dazu auf dem Blog des Fintechs Cashlink.

Zwar können Banken mit P2P Payment nicht viel gewinnen. Dennoch räumen ihm Branchenbeobachter gute Chancen ein, das „next big thing“ zu werden – aus einem einfachen Grund: Finanzinstitute müssen die Funktion in ihr Mobile Banking integrieren, um eine grundlegende Anforderung ihrer Kunden zu erfüllen und sie auf diese Weise zu halten. Es geht wie so oft heutzutage im Banking um die Customer Experience. Zumal im deutschsprachigen Raum betreten viele Institute damit „Neuland“, denn dem Enkel bei der Verabschiedung einen Geldschein in die Hand zu drücken, diente nicht nur als Ausdruck finanzieller Souveränität („muss die Oma/der Opa nicht wissen“), sondern markierte bislang das einzige, vom transaktionalen Digital Banking unberührte Feld.

P2P Payment muss bequem und einfach sein

Damit sich eine Anwendung und damit die dahinterstehende Bank mit ihrer Technologie am Markt durchsetzt, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Es muss mindestens genauso bequem und einfach funktionieren wie der Austausch von Bargeld. Das beginnt mit der unkomplizierten Einrichtung der Funktion ohne langwierige Eingabe von persönlichen Daten und Kontoinformationen. Dann sollte die Anwendung nicht an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden sein und schließlich sollte der Kunde dazu in der Lage sein, über App-Grenzen hinweg Geldbeträge auszutauschen.

Nicht nur das P2P Payment, sondern auch das seit November 2017 in der Sepa-Zone mögliche Instant Payment offenbart eine mitunter eher „passive Haltung“ des hiesigen Bankensektors. So lässt sich etwa Klaus Josef Müller, Leiter Product Management für Cash Management im Firmenkundengeschäft der Commerzbank, von DerTreasurer zitieren: „Durch die Reform der Zahlungsdiensterichtlinie wurden bereits neue Möglichkeiten für Drittdienstleister geschaffen, Konto- und Zahlungsverkehrsschnittstellen zu nutzen. Insofern gehen wir davon aus, dass wir in den nächsten Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Instant Payments unter Mitwirkung aller Marktbeteiligten sehen werden.“

Machen sich Finanzinstitute diese Haltung auch bei Peer-to-Peer-Zahlungen zu eigen, müssen die Kunden nicht darauf warten, dass sich der P2P-Payment-Markt konsolidiert. Vielmehr können sie darauf vertrauen, dass ihnen ihre Bank – basierend auf einem Digital Banking Hub – bequeme Form des Geldaustauschs über das Smartphone zugänglich macht.

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