Open Banking: SGKB und Credit Suisse berichten aus der Praxis

Praxisnaher Austausch zu Open Banking: Mit 25 Gästen und zwei hochkarätigen Referenten diskutierten wir beim Digital Banking Breakfast am 19. September 2018 in Zürich verschiedene Modelle, wie sich Banken auf die Anforderungen digital geprägter Kundengruppen einstellen können. Falk Kohlmann, Innovationsmanager und Leiter Digital Banking der St. Galler Kantonalbank, und Marcelo Victoria, Head of Digital Corporate Bank bei der Credit Suisse, zeigten, wie etablierte Institute offene Ökosysteme nutzen, um langfristig relevant zu bleiben.

Im EU-Raum hat die Umsetzungsphase der PSD2-Regulierung begonnen und auch in Schweizer Fachkreisen wird das Thema Open Banking heiß diskutiert. „Grau ist alle Theorie“, dachten wir uns und haben Vertreter von Banken eingeladen, die dem abstrakten Ansatz bereits kräftig Leben eingehaucht haben. Eingestiegen sind wir mit der SGKB (St. Galler Kantonalbank). Gegründet 1868, hält die Regionalbank ein Drittel des Marktes im Kanton. Mit rund 1.000 Personaleinheiten und 40 Niederlassungen ist sie in der Fläche sehr breit aufgestellt. Zudem treibt sie in vielen Bereichen die Digitalisierung voran.

SGKB auf dem Weg zur hybriden Bank

Das Management geht davon aus, so Falk Kohlmann, dass On- und Offline-Kanäle zur hybriden Bank verschmelzen. Seit 2016 antizipiert die SGKB diese Entwicklung, indem sie eine Vielzahl von digitalen Lösungen entwickelt – von der Verlängerung von Hypotheken und der Kundeneröffnung über Mobile Banking und das persönliche Finanzmanagement bis hin zur Spar-App #HäschCash. Ab Oktober bietet sie ihren Kunden eine eigene SGKB-App an. Sie steht im Zentrum einer Single-App-Strategie für Privatkunden: Über das Smartphone greifen sie auf sämtliche Dienste der Bank zu.

Insgesamt eröffnet Open Banking dem Finanzinstitut die Möglichkeit, die Reichweite und das Angebotsspektrum zu vergrößern. Sie bietet einerseits Produkte Dritter in der eigenen Welt an und bringt sich andererseits auf fremden Plattformen ein. Dabei positioniert sie sich nicht als Marktplatz, sondern verbindet SGKB- und Drittservices nur dann, wenn es einen Zusatznutzen für den Kunden bringt. Falk Kohlmann betonte, dass sämtliche Szenarien aus Kundensicht hinterfragt werden. Generell sind Anwendungsfälle hybrid angelegt, um den Kunden selbstbestimmt zwischen verschiedenen Interaktionskanälen wählen zu lassen.

Außerdem wird ihre Meinung in die Neu- und Weiterentwicklung von Produkten einbezogen. Schließlich hob der Innovationsmanager hervor, dass dem Kunden klar sein muss, wozu seine Daten verwendet werden, und es ihm freisteht, den Datenzugriff zu verwehren. Zwar betont die SGKB in ihrer Strategie die Chancen, die Open Banking bietet. Allerdings entstehen daraus auch neue Herausforderungen. Zum einen müssen sich neue Services und Kanäle monetarisieren. Zum anderen bedarf es einer ganzheitlichen API Governance, um die IT- und Businesskomplexität im Griff zu behalten.

Credit Suisse nutzt Open Banking als Differenzierungskriterium

Die Credit Suisse (Schweiz) AG setzt Open Banking bewusst als Differenzierungskriterium ein. Dazu hat sie um ihre Geschäftskunden herum ein eigenes Ökosystem entwickelt. Über die CS Direct Online Banking Platform können Unternehmen alle erdenklichen Transaktionen abwickeln sowie Dienstleistungen buchen und verwalten: Onboarding, Factoring, Leasing, Kredite, Liquiditätsmanagement, Multibanking und so weiter. Die Plattform lässt sich in die eigene IT-Landschaft integrieren und enthält eine Produktplattform mit den Services von Drittanbietern. Vom Gedanken der Exklusivität hat sich die Credit Suisse bewusst verabschiedet, um sich die Rolle des ersten Aggregators zu sichern. Für eine ausdifferenzierte Customer Experience sorgt sie über eine API-Architektur, die auch andere Banken und Drittanbieter einbindet.

Marcelo Victoria ging näher auf die CS-Direct-Multibanking-Lösung im Online Banking ein, da diese plausibel macht, wie sehr eine offene Architektur den Arbeitsalltag in Unterhemen erleichtert. Über ein Login bietet die Anwendung den Überblick über alle weltweiten Bankbeziehungen sowie Zahlungen über Credit-Suisse-Konten. Ob am Arbeitsplatz oder mobil: Der Anwender sieht stets die synchronisierten Daten, hat Zugriff auf sämtliche Cash-Positionen und kann überall über seine Liquidität verfügen. Fremdbankkonten lassen sich kostengünstig integrieren und die Unternehmen benötigen keine eigene Multibanking Software.

Bei allen Ansätzen, die wir in Zürich besprochen haben, ist entscheidend, dass die Architektur im Hintergrund ebenso schlank wie die Open-Banking-Anwendungen ist. Mit unserem Digital Banking Hub und unseren Public APIs schaffen wir die Voraussetzungen dafür.

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