Open Banking: mit PSD2 in die Plattformökonomie einsteigen

Zwischen Aufbruchstimmung und Endspurt: Bis Mitte März dieses Jahres muss die PSD2-Architektur bei den Zahlungsdiensten stehen. Dann sind Kontoinformations- und Zahlungsauslösedienste berechtigt, über eine von den Banken eingerichtete Schnittstelle auf Kundendaten zuzugreifen, sofern die Kontoinhaber das wünschen. Damit sind die Voraussetzungen für Open Banking geschaffen.

PSD2 und Open Banking rufen heute in Finanzinstituten bestenfalls gemischte Gefühle hervor. Die Verantwortlichen fürchten um eines ihrer wichtigsten Assets: die Daten der Kunden, die sie künftig mit dem Wettbewerb teilen sollen. Dabei ist das „Wie“ das kleinere Problem. So haben wir ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt, mit dem es gelingt, binnen 45 Tagen eine PSD2-Testumgebung zu implementieren. Schwieriger ist es vielfach, der Unternehmenskultur eine andere Richtung zu geben. So konstatiert der „Bankenreport Deutschland 2030“ (Download) von Oliver Wyman: „In vielen Banken ist der Fokus nach innen gerichtet. Themen, die über aktuelle Brennpunkte wie Regulierung und Kostenoptimierung hinausgehen, werden vernachlässigt.“

Plattformökonomie lässt Kunden die Wahl

Sie verkennen dabei, dass die Wirtschaft bereits vollkommen von der Plattformökonomie durchdrungen ist. Ein Blick auf den Einzelhandel lässt erahnen, was auf die Finanzindustrie zukommen wird. So wurde dieser Tage bekannt, dass das Weihnachtsgeschäft des Warenhauskonzerns Kaufhof schlechter ausgefallen ist als im letzten Jahr. Gegen den Trend verbuchte die Kette auch im Onlinegeschäft ein Umsatzminus. Amazon hingegen verzeichnete nach eigenen Angaben das beste Weihnachtsgeschäft seiner Geschichte. Übertragen auf die Bankenwelt: Die „Kaufhöfe“ der Finanzindustrie sollten sich etwas vom Internetgiganten annehmen, sich öffnen für die Angebote Dritter und sich mit anderen Banken, Fintechs und weiteren Unternehmen zusammentun, um für den von der Plattformökonomie verwöhnten Kunden attraktiv zu bleiben – oder wieder zu werden.

Back to the roots: ein Blick auf die Buchbranche

Begonnen hat Amazon als Buchhändler – eben diese Branche zeigt momentan, wie man dem Giganten gemeinsam die Stirn bieten kann: Nach turbulenten Jahren befindet sich die Buchhandelskette Thalia heute auf Wachstumskurs. Das Erfolgsrezept bestehe darin, so CEO Michael Busch, „unsere Vertriebskanäle immer enger miteinander zu verknüpfen“. Er ergänzt: „Jetzt müssen wir den nächsten Schritt gehen und zu einem Content-, Service- und Erlebnis-Lieferant werden, um für die Menschen auch in Zukunft relevant zu bleiben.“ Die knapp 300 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und der Onlinekanal greifen ineinander. „Omnichannel ist der richtige Weg, denn beide Kanäle befruchten sich“, so Michael Busch.

Dabei verfolgt der Konzern kein geringeres Ziel als, „den Buchhandel im deutschsprachigen Raum flächendeckend zu erhalten“. Gemeinsam mit den Big Playern Bertelsmann, Hugendubel und Weltbild brachte das Unternehmen 2013 erfolgreich die Kindle-Alternative Tolino auf den Markt. Michael Busch: „Nur mit Allianzen und Vernetzungen können alle Branchenteilnehmer am Markt sinnvoll agieren und skalieren.“ Er bricht eine Lanze für die Plattformökonomie: „Plattformen sind wichtig, damit neue Angebote in Schwung kommen. Große Player können dabei helfen, sie anzustoßen, aber dann ist es sinnvoll, sie der gesamten Branche zu öffnen.“

Von anderen Branchen lernen: mit PSD2 in die Plattformökonomie

Stand heute tun sich Finanzinstitute mitunter noch schwer mit Kooperationen. Das ist bedenklich. So heißt es im Bankenreport: „Marktteilnehmer, unabhängig ob lokal oder überregional, die an einem klassischen, integrierten Bankmodell festhalten, werden in einem stark veränderten Umfeld ähnliche Schwierigkeiten haben wie z. B. ehemals erfolgreiche Kaufhäuser oder veränderungsresistente Hersteller von Elektronik-Hardware (‹Museums-Banking›).“ Ein Perspektivwechsel ist dringend gefordert und PSD2 lädt dazu ein: Zwar verliert die Bank die Hoheit über „ihre“ Daten, wenn sie diese auf Wunsch des Kunden Dritten zugänglich macht. Auf der anderen Seite ist sie allerdings auch selbst in der Lage, die Daten anderer Institute zu nutzen. Open Banking ist also keine Einbahnstraße, sondern hat die Dynamik einer Welle: Die Daten fließen ab und kehren in veränderter Form zurück – entweder als Daten anderer Kunden oder als um neue Informationen angereicherte Datensätze. APIs schaffen die Voraussetzungen, um sich in die Plattformökonomie zu integrieren. Sie ermöglichen Banken, eine eigene Rolle im digitalen Finanz-Ökosystem zu finden und auszugestalten.

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