Open Banking für die neue Generation

Informationstechnologie hat unsere tägliche Arbeit auf vielerlei Weise verändert: Wir kaufen anders ein. Die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und Inhalte aufnehmen, hat sich gewandelt. Sogar der Umgang mit unseren Unternehmen und mit den persönlichen Finanzen ist davon nicht ausgeschlossen. Zumindest gilt das für die neue Generation, die Generation Y oder die sogenannten Millennials. Die meisten von ihnen sind in einem digitalen und mobilen Umfeld aufgewachsen. Sie erwarten, dass alles einfach zugänglich ist, quasi im Handrumdrehen – so lange wie es dauert, das Handy mal eben aus der Tasche zu ziehen. Der Großteil ihrer täglichen Interaktionen findet bereits online statt. In den nächsten fünf Jahren werden mindestens drei Viertel der Kundeninteraktionen online oder vom Mobiltelefon aus getätigt werden.

Generation Y bezieht Finanzdienstleistungen am liebsten digital

Dieselben Ansprüche richten Sie an ihre Bank oder ihren Finanzdienstleister, eben an das Unternehmen, das in Zukunft das Geld für sie verwahrt und den Zahlungsverkehr ermöglicht. Die Generation Y bevorzugt digitale Kanäle, um Finanztransaktionen auszuführen. Jede größere Forschungsstudie untermauert diesen Befund. Die Jungen sind kaum dazu zu bewegen, in eine Filiale zu gehen, dort einen langwierigen Prozess zu durchlaufen und einen Haufen Dokumente zu unterschreiben, nur, um ein Konto zu eröffnen. Selbstverständlich können Banken argumentieren, es handle sich um komplexe Prozesse mit anspruchsvollen Regularien, und auf ihre veralteten und unflexiblen Kernbankensysteme verweisen. Doch agieren bereits heute komplett digitale Banken am Markt. N26 etwa bietet die Möglichkeit, ein Konto in lediglich acht Minuten zu eröffnen. Auch bei der Atom Bank ist dieser Prozess mit ein paar Mausklicks erledigt.

Open-Banking-Umgebungen entstehen

Tatsächlich haben bereits viele Banken auf die Bedürfnisse jüngerer Zielgruppen reagiert. Sie bieten sehr robuste und moderne Mobile Banking Apps an, inklusive schnellem Online Support und Echtzeit-Überweisungen von Person zu Person. Zudem wächst jeden Tag die Liste der Fintechs, die sich bemühen, das Bankerlebnis neu zu definieren. Auch die Regulierungsbehörden greifen den digitalen Trend auf und fordern die Banken dazu auf, mit Nachdruck an einem wirklich offenen finanziellen Ökosystem zu arbeiten. Die Überarbeitung der Richtlinie über Zahlungsdienste PSD2 (Payment Services Directive) zielt genau darauf ab, und geht sogar noch weiter. Insgesamt sollen Wettbewerb, Transparenz und Sicherheit bei Ein- und Auszahlungen sowie im Kontozugriff zu erhöht. Dazu soll PSD2 auf unterschiedliche Art und Weise beitragen. Den Kern bildet die Forderung, dass Banken autorisierten Dritten ermöglichen, auf Kontodaten ihrer Kunden zuzugreifen. So entsteht zwangsläufig eine Open-Banking-Umgebung.

Mit Open Banking vertikale Angebote schaffen

Während viele Führungskräfte und Finanzexperten darin eine Gefahr sehen, betonen andere eher die Chance, mit dem besten Kundenerlebnis zu punkten. Paul Rohan, Autor von „Open Banking Strategy Formation“, sagt in einem Interview mit Simon Cocking einen Wettbewerb voraus zwischen verschiedenen Modellen, Open Banking zu realisieren. Ganz gleich in welcher Konstellation: Eine Art und Weise, Open Banking einem breiten Publikum anzubieten, wird sich durchsetzen – das Modell, das die meisten Marktteilnehmer überzeugt. Solange nicht klar ist, auf welche Gesamtlösung es hinausläuft, sind Unternehmen gut beraten, in Etappen zu investieren und die eigenen Entwicklungen immer wieder mit den Modellen abzugleichen, die sich am wahrscheinlichsten durchsetzen werden. So entstehen sukzessive Lösungen mit Mehrwert, die zu jeder Zeit nah am sich herauskristallisierenden Standard sind. Das ist tatsächlich ein interessanter Ansatz und ein guter Rat für den Umgang mit PSD2. Dabei haben Banken einen klaren geschichtlichen Vorteil, denn schließlich haben sie die finanzielle Beziehung zu einem großen Kundenstamm längst aufgebaut – und sie haben im Laufe der Zeit eine große Menge an Daten gesammelt. So sind sie prädestiniert, um im Open Banking eine führende Rolle zu spielen. Indem sie mit spezialisierten Fintech-Firmen zusammenarbeiten, können sie sich neue Ressourcen und Technologien zunutze machen. Es entstehen vertikale Produkte, die die Banken allein nicht anbieten könnten.

Everyday Banking in einer durchgängigen Omnichannel-Umgebung

Bislang fehlen Banken die Anlässe, um regelmäßig mit ihren Kunden zu interagieren. Die Kunden sehen sie lediglich in der Rolle, finanzielle Transaktionen abzuwickeln. Sie wenden sich nur an die Bank, um beispielsweise einen Kontoauszug zu überprüfen oder ein Darlehen zu beantragen. Viel Zeit verbringen sie dagegen auf Facebook oder WhatsApp. Deshalb sehen einige Experten eine echte Bedrohung darin, wenn diese Technologiegiganten den Zugriff auf Bankkonten erlangen. Genau genommen interagieren wir jedoch viel mehr mit unserer Bank, als uns klar ist. Denken Sie zum Beispiel daran, wie oft Sie online oder im Geschäft mit Karte zahlen. In den meisten Fällen wurde die Karte von derselben Bank ausgestellt, die das Bankkonto, die Ersparnisse und Darlehen verwaltet. Banken können diese Interaktionen mit Open Banking intensivieren. Sie können zur Everyday Bank werden, indem sie eine durchgängige Omnichannel-Umgebung erzeugen, über die die Kunden Tag für Tag interagieren.

Open Banking international auf dem Vormarsch

Einige Banken haben sich bereits vor PSD2 in Richtung Open Banking bewegt. Letzten Monat hat die BBVA seinen API-Markt eröffnet, über den acht der bankeigenen APIs erhältlich sind – alle bereits PSD2-konform. Auch BNP Paribas hat ein „Open Bank Project“ gestartet, über das Entwickler auf eine Reihe von APIs zugreifen. Großbritannien hat schon vor PSD2 an einem eigenen Normenwerk gearbeitet und die „Open Banking Working Group“ gegründet. So wurde eine gute Grundlage geschaffen für die Zusammenarbeit von Banken und Fintechs. Auf diese Weise erreichen Banken mehr Menschen und passen ihre Dienstleistungen an die Erwartungen junger Zielgruppen an. Fintechs nehmen Fahrt auf, indem sie die vorhandene Infrastruktur der Banken nutzen und sich auf die User Experience und die Entwicklung von Funktionen konzentrieren, die neu entstehende Kundenbedürfnisse aufgreifen.

Mehr Informationen – mehr Möglichkeiten, den Kunden gezielt anzusprechen

Neben den Fintechs können auch die Banken selbst aggregierte Informationen nutzen. Sie gewähren nicht nur ihrerseits den Zugriff auf die Kundenkonten, sondern können selbst neue Services anbieten, indem sie Informationen von anderen Banken nutzen. Sie sprechen Kunden mit weiteren Angeboten an, die ihnen einen zusätzlichen Nutzen bieten. Der wachsende Datenbestand kann mit Predictive Analytics für Prognosen genutzt werden. Die Bank wird in die Lager versetzt, Muster zu erkennen und zukünftige Ergebnisse sowie den Lifetime Value für verschiedene Ergebnisse abzuschätzen. Banken können auch mit Fintech-Firmen oder anderen Technologieunternehmen zusammenarbeiten, zum einem, indem sie ihnen Informationen für die Analyse zur Verfügung stellen, und zum anderen, indem sie von ihnen Informationen erhalten zum Beispiel zu Aktivitäten in sozialen Medien.

Letztlich gehen Banken so gestärkt aus der aktuellen Entwicklung hervor. Als Teil eines Open-Banking-Ökosystems können sie zusammen mit Fintechs und Technologieunternehmen die Daten von vielen Millionen Kunden analysieren und daraus Produkte für eine durchgängige Customer Experience entwickeln. So übernehmen sie eine Vordenkerrolle, wenn es darum geht, das Banking quasi neu zu erfinden.

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