Mittlerer Osten: mit GulfTech und Islamic Banking auf Expansionskurs

Mit der Akquisition von INNOFIS zum Jahreswechsel erschließen wir uns den Mittleren Osten als Markt. Zu den INNOFIS-Kunden zählen beispielsweise die NCB (National Commercial Bank), Saudi-Arabiens größtes Finanzinstitut, und das ebenfalls in Saudi-Arabien ansässige Kreditinstitut Al Rajhi Banking Corporation. Beide vertreten das Islamic Banking und nehmen eine Vorreiterrolle für das Digital Banking in der Region ein.

Chris Skinner, Blogger, unabhängiger Kommentator und Autor zahlreicher Fachbücher zum Finanzmarkt, nennt das Digital Banking in der Golfregion GulfTech und es hat für ihn das Potenzial zum „next big thing“. Da sich im Mittleren Osten zugleich besonders viele superreiche Bankkunden tummeln, spricht er auch von WealthTech. Die islamische Variante des Digital Banking bezeichnet er als IslamTech. Insgesamt bietet der dortige Markt also eine Reihe von Ansatzpunkten für eigenständige Banking-Varianten.

Digital Banking im Mittleren Osten

Wie Banken in Arabien bereits heute von Fintech profitieren, zeigt die NCB exemplarisch auf. Im vergangene Jahr erzielte die Bank mit einem Gesamtvermögen von 444 Milliarden Saudi-Riyal (umgerechnet 118,4 Milliarden US-Dollar) ein Rekord-Nettoeinkommen von 9,8 Milliarden Saudi-Riyal (2,61 Milliarden US-Dollar). Sie betreut 5,4 Millionen Kunden, unterhält 400 Niederlassungen im Königreich und bietet unter dem Slogan „One Step Instead of Many“ die gesamte Bandbreite an Digital und Mobile Banking an. Darüber hinaus hat die NCB das Konzept des Self Service Kiosk entwickelt, das es Kunden beispielsweise ermöglicht, mit dem Smartphone ihre Debitkarten an Automaten selbst zu verlängern.

Das – ganz nach Kundengeschmack – physische, hybride oder digitale Banking beinhaltet auch Islamic-Banking-Produkte, auf deren Sharia Compliance das Institut höchsten Wert legt. Mit der ersten islamischen Kreditkarte und dem ersten islamischen Investmentfond nimmt die NCB in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein. Zudem nimmt sie für sich in Anspruch, Sharia-gemäße islamkonforme Versicherungen (Takaful) eingeführt zu haben. Gegründet 1957, zählt auch die Al Rajhi Bank zu den Big Playern im Islamic Banking. Sie verfügt über ein Gesamtvermögen von 343 Milliarden Saudi-Riyal (90 Milliarden US-Dollar) und unterhält in Saudi-Arabien 570 Niederlassungen, davon rund 150 explizit für Frauen. Auch eine nahtlose Customer Experience per Mobile Banking und Digital Banking ermöglicht die Bank.

Mangelnde Innovationskraft gefährdet Umsätze

Der World Islamic Banking Competitiveness Report 2016 von EY schätzt den Marktanteil der „Participation Banks“, die islamischen Grundsätzen verpflichtet sind, in den Golfstaaten auf mehr als 60 Prozent. Viele von ihnen, so die Autoren, investierten derzeit massiv in die Digitalisierung, denn Passivität auf diesem Feld könnten sie die Hälfte ihres Umsatzes im Retail-Segment kosten. Weniger die Investitionen als die Strategie dahinter, bereiteten der Branche derzeit Kopfzerbrechen: die neuen Entscheidungswege der Kunden von morgen, das Prototyping neuer Technologien, die Time to Market… Noch gibt es eine Reihe ungelöster Fragen.

Fest steht allerdings: Eine überwiegend junge Bevölkerung fordert die Banken der GCC-Staaten heraus. Sie ist wohlhabend und technologisch bestens ausgestattet, kennt die internationalen Trends und stellt hohe Ansprüche. Häufig klaffen die Erwartungen dieser Kunden und die Leistungsfähigkeit der Banken – anders als bei der NCB und der Al Rajhi Bank – heute weit auseinander. EY folgert: „Eine Digital-First-Strategie muss der Anreiz für die Participation Banks sein, die nächsten 100 Millionen Kunden in den nächsten zehn Jahren zu gewinnen. Diese aufregende Reise hat gerade erst begonnen.“

Nicht von ungefähr denken die Autoren des Reports in gigantischen Dimensionen. Denn Islamic Banking ist keinesfalls nur in der Golfregion gefragt. So wurde der Al Rajhi Bank als erstem ausländischen Finanzinstitut 2006 eine Vollbanklizenz in Malaysia ausgestellt. Die weltweit führenden Zentren für Islamic Finance sind Kuala Lumpur und – London. Betrachtet man die bevölkerungsreichen Märkte Asiens wird verständlich, weshalb Chris Skinner im Zusammenhang mit den GCC-Staaten auch von SouthTech spricht. Dabei bezieht er sich auf deren „unique position“, Länder und Regionen wie China, Indien, Asien insgesamt, Afrika und Südamerika miteinander zu verbinden – vor allem auch ein riesiges Potenzial für das Mobile Banking. Es lohnt sich also für die gesamte Finanzbranche inklusive Fintechs, den Mittleren Osten genau zu beobachten.

Erfahren Sie mehr über unsere in den GCC-Staaten starke Tochter INNOFIS und informieren Sie sich hier über die Hintergründe der Akquisition!