Kooperation mit Fintechs: Der CIO sollte zuvor einige Aspekte klären

Blinder Aktionismus führt selten zu guten Ergebnissen – schon gar nicht in der IT und im Banking. Wir fassen einige strategische Vorüberlegungen zusammen, die bei der Konzeption der Digitalisierungsstrategie unterstützen können. So gelingt es, externe Partner an der richtigen Stelle einzusetzen und dabei die Unabhängigkeit der eigenen IT zu wahren.

An Übersichten fehlt es nicht: Die 50 angesagtesten Fintech-Firmen in Europa, das beste Fintech-Start-up 2017 oder die Germany Fintech Landscape. Doch wie gehen Banken-CIOs auf der Suche nach einem Technologiepartner am besten vor? Ein Viertel der Retail-Banken, so Gartner, wird sich bis Ende 2019 Unterstützung bei Start-ups suchen, um überkommene Online- und Mobile-Banking-Systeme zu ersetzen. Dabei gibt es auf Anbieterseite nicht die Alleskönner, die das Finanzinstitut in die Zukunft des Digital Bankings katapultieren und nebenher auch noch eine superschlanke IT-Kostenstruktur schaffen. Es gilt daher vorab zu klären, was überhaupt erreicht werden soll.

Digitale Transformation oder Kostensenkung?

Zwei Richtungen können die CIOs einschlagen: Sie suchen sich Partner für die digitale Transformation oder sie setzen Projekte auf, um die Kosten im IT-Apparat zu senken. Da zahlreiche Initiativen von sich ändernden Kundenanforderungen getrieben werden, dürften sich viele darauf konzentrieren, Services einzuführen, die die Customer Experience verbessern. Dabei sind sie gefordert, die Angebote und Projekte herauszufiltern, die der individuellen Bank und ihren Kunden einen echten Mehrwert bringen. „Fintechs, die das Digital Business erleichtern, haben das Potenzial, radikal die Art und Weise zu verändern, wie die Bank überhaupt Geschäfte macht und Erträge generiert“, so Gartner.

In jedem Fall zahlt sich die Partnerschaft mit oder Investition in ein Fintech aus, denn dem Finanzinstitut bietet sich so die Gelegenheit, Erfahrung mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen zu sammeln. CIOs und Management können Risiken besser einschätzen und Anwendungsfelder genauer verstehen. Allerdings wäre es angesichts der durchschnittlichen Lebenserwartung der Fintechs fatal, sich fest an ein Start-up zu binden. Schätzungen gehen davon aus, dass vier Fünftel der Innovatoren vom Markt verschwinden. Dieses Risiko sollte bei jeder Kooperation einkalkuliert werden. Vorbeugen können Banken etwa durch einen Know-how-Transfer.

Auch mit Gefahren verbunden: nicht mit Fintechs zu kooperieren

Einer weiteren Gefahrenquelle sollten sich die CIOs bewusst sein: Auch die Entscheidung, nicht mit Fintechs zu kooperieren, birgt durchaus Risiken. Technologisch kann die Bank ins Hintertreffen geraten, sie verliert Zeit und die Kosten für IT-Optimierungen können steigen. All diese Aspekte, gilt es, in die strategische Planung einzubeziehen. Für fast allen Fälle einer Kooperation benötigen Finanzinstitute eine API-Architektur, um die Anwendungen zu integrieren. Es lohnt sich, dabei auf die Möglichkeiten des API Managements zu achten, um jederzeit die Kontrolle über die IT und die Daten zu behalten. Kann die Trennung von einem Fintech technologisch sauber abgebildet werden, sind Unternehmen offener für Kooperationen, deren Nutzen am Ende darin besteht, aus Fehlern gelernt zu haben.

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