Individuelle Empfehlungen und Schutz vor Cyberkriminalität: AI (Artificial Intelligence) im Banking

Lange suchte man vergeblich nach tragfähigen AI (Artificial Intelligence)-Anwendungen für Banken. Je stärker sich die Unternehmen in die digitale Plattformökonomie integrieren, desto konkreter werden die Szenarien. Hier einige Ideen, die wir auf den Digital Banking Days am 24. und 25. Oktober 2018 in Frankfurt am Main vertiefen wollen.

Bereits 2016 zeigte eine Onlineumfrage unter 7.000 europäischen Konsumenten, dass sie durchaus offen dafür sind, Produkte aus völlig anderen Bereichen von ihrer Bank zu beziehen. So interessierte sich durchschnittlich ein Fünftel für Energie, persönliche Datenspeicherung, Breitband und Mobilfunkverträge. Beim Festnetzanschluss und Medien wie Fernsehen oder Video on Demand lag der Wert etwas darunter. Als besonders aufgeschlossen erwiesen sich die Osteuropäer und die Spanier mit Werten um die 40 Prozent. Die Briten überschritten mitunter deutlich die 30-Prozent-Marke, während die Schweizer und die Deutschen tendenziell eher unter dem Durchschnitt blieben.

Die Anbieter erkennen dieses Potenzial. Die Deutsche Bank beispielsweise sieht in ihrem für Oktober dieses Jahres angekündigten Angebot für Millennials vor, „nicht allein bankennahe Leistungen“ anzubieten, so das Handelsblatt. „Die digitale Plattform soll nicht mit eigenen Produkten arbeiten und keine eigene Bilanz vorhalten, sie soll ausgewählte Produkte anderer vermitteln, etwa so, wie wir das mit dem Zinsmarkt bereits tun“, erläutert Markus Pertlwieser, Digitalchef der Privat- und Firmenkundensparte. „Mit der Plattform wollen wir einfachere Zugänge schaffen, um den großen Tech-Firmen Paroli bieten zu können.“

AI prognostiziert, was der Kunde braucht

Selbstverständlich bringt ein Institut wie die Deutsche Bank dafür das fachliche Banken- und Beratungs-Know-how mit. Hinzu kommt nun eine neue Qualität des intelligenten Umgangs mit Daten. Denn einzig und allein die Qualität der Produktempfehlungen entscheidet über die Zukunft einer solchen Finanzdienstleistungsplattform. Von Netflix lernen wir, wie mittels AI prognostiziert werden kann, was der Kunde mit der höchsten Wahrscheinlichkeit als nächstes sehen will. Sowohl Netflix als auch Finanzinstitute verfügen über eine große Menge an Kundendaten. Algorithmen sind dazu in der Lage, aus theoretisch unendlich großen Datenmengen zu lernen und aus Informationen zu den Transaktionen der Vergangenheit sowie externen soziodemografischen Daten erstaunlich präzise das künftige Verhalten abzuleiten – bezogen auf jedes Produkt.

AI ist dabei der menschlichen Intelligenz überlegen. Es würde Jahre dauern, bis ein Mensch die Kaufwahrscheinlichkeit pro Produkt ermittelt hätte, auch wenn weder das Sortiment noch der Kundenstamm besonders groß wären. Algorithmen gelingt dies in nahezu Echtzeit. Außerdem können sie besser „um die Ecke denken“ und lassen sich nicht von (Vor)urteilen irritieren. Der Spezialist für Anlageprodukte für die Altersvorsorge erkennt, wenn sich die Bedingungen für die Riesterrente ändern, welche Kunden davon profitieren und wer seine Anlagestrategie ändern muss. AI selektiert nicht nur die betroffenen Kunden, sondern spielt auch individuelle Vorschläge aus: Für Kunde A ergibt sich ein finanzieller Spielraum. Anhand der Gesamtsituation wird er als Familienvater mit mittlerem Einkommen identifiziert. Eine Sondertilgung der Immobilienhypothek käme nun für ihn infrage. Alternativ kann ihm die Bank langfristige Kapitalanlagen für die drei Kinder anbieten.

Für Kundin B erhöht sich die monatliche Belastung. Da die Bank ein breites Spektrum an Angeboten Dritter vertreibt, stellt die AI-gesteuerte Plattform einen besonders kostengünstigen Stromtarif vor. Der Clou: Der Energieversorger verzichtet auf fossile Brennstoffe. Das passt hervorragend zu Kundin B, die mit ihrem Freund in einem Szeneviertel wohnt und sich in einem Milieu bewegt, indem Nachhaltigkeit zum guten Ton gehört. Mit solchen präzisen und passenden Vorschlägen trägt AI dazu bei, dass Banken ihr Wertversprechen auf neue Weise einlösen: Sie bieten dem Kunden zum richtigen Zeitpunkt die Lösung an, die er gerade benötigt. So kann es dem Finanzinstitut als Orchestrator auch gelingen, sich Zusatzerträge zu erschließen. Dabei ist es relativ beliebig, welche Produkte es ins Portfolio aufnimmt – niemals aber, was es dem einzelnen Kunden anbietet. Das muss auf den Punkt passen, denn sonst kauft es der Kunde nicht. AI ebnet hier den Weg für ein durch und durch kundenzentriertes Geschäftsmodell.

Cyberkriminellen das Handwerk legen mit AI

Ein weiteres Werteversprechen in der Finanzbranche lautet: „Dein Geld ist bei uns sicher.“ Allerdings ist Digital und Mobile Banking besonders anfällig für Cyberkriminalität. Banken und Fintech reagieren darauf mit interessanten AI-basierten Ansätzen. Das Stichwort lautet behavioral biometrics (Verhaltensbiometrie). Dabei handelt es sich um eine Form des Trackings, die selbstverständlich in Übereinstimmung mit der DSGVO erfolgen muss. Sensoren erfassen, wie sich ein bestimmter Anwender an seinem Endgerät verhält: Wie bedient er die Tastatur? Wie wischt er über den Bildschirm? Wie reagiert er, wenn der Cursor kurz vom Bildschirm verschwindet?

Mehr als 2.000 verschiedene Bewegungen erfasst die Royal Bank of Scotland, wenn sich ein Kunde in sein Konto einloggt und kann dessen Identität so zweifelsfrei feststellen. Weicht das Nutzerverhalten ab, wird das Konto umgehend gesperrt. Die Software registrierte vor einigen Monaten etwas Auffälliges: Bei seinem Besuch auf dem Konto eines wohlhabenden Anlegers nutzte der Anwender das Scrollrad der Maus, was der Inhaber des Kontos niemals tat. Dann nutzte er statt des Nummernblocks auf der rechten Seite der Tastatur die Zifferntasten oberhalb der Buchstaben. Glücklicherweise konnte die Bank so rechtzeitig die Überweisung einer siebenstelligen Summe in kriminelle Kanäle verhindern.

AI auf den Digital Banking Days

Wenn auch das Big Picture noch nicht deutlich zu erkennen ist, zeichnet sich doch ab, dass AI in der Finanzindustrie ankommt und vor allem in digitalen Szenarien eine wichtige Rolle spielen wird. Die Zeiten, in denen sich der Einsatz von AI darauf beschränkte, Chatbots zu entwickeln, die einfache Fragen nicht vernünftig beantworten können, sind definitiv vorbei. Auf den Digital Banking Days am 24. und 25. Oktober 2018 in Frankfurt am Main werden wir uns eingehender mit der Frage beschäftigen, wie sich AI auf die Bankenwelt auswirken wird. Claus-P. Praeg vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zeigt auf, wie sich Artificial Intelligence auf die Banken-Arbeitswelt auswirken wird. Zudem lade ich Sie herzlich zu einem Workshop zum Thema ein. Melden Sie sich gleich an zu den Digital Banking Days und entwickeln Sie gemeinsam mit uns „Denkansätze für die Bank der Zukunft“!

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