Ideen umsetzen: Innovations- und Changemanagement – ein Interview mit Richard Dratva

Viele Zeichen weisen auf die Regenerierung der Bankbranche hin. Wie McKinsey im Insight «Remaking the Bank for an ecosystem world» beobachtet, ist die Finanzkrise abgeschlossen, die Bestände sind aufgefüllt und die Banken haben die Kosten gesenkt. Den Fokus setzen sie nun auf Innovation und Wachstum. Was den Finanzinstituten bei der Transformation hilft und was sie im Jahr 2018 erwarten könnte, haben wir Richard Dratva gefragt, unser Strategiechef.

Anesa Sebecevac | Welche Trends im Banking kommen im Jahr 2018?
Richard Dratva | Hier meine Trilogie: 1. Aufgrund des Einführungstermins von PSD2 ganz sicher Open Banking. 2. Die Finanzinstitute und Fintechs, die Open Banking richtig betreiben wollen, benötigen ein finanzielles Ökosystem. 3. Und wenn ein solches Ökosystem attraktiv sein soll, braucht es viel Data Analytics und AI.
Anesa Sebecevac | Wie können sich Banken darauf vorbereiten?
Richard Dratva | Wer sich erst jetzt vorbereitet, muss nun Gas geben. Unternehmen aller Branchen müssen ihr Geschäftsmodell neu überdenken, neue Stossrichtungen gut definieren und dann möglichst rasch umsetzen können – wichtig dazu ist die Wahl der richtigen digitalen Plattform, wie unser Digital Banking Hub.
Anesa Sebecevac | Wie beeinflusst die digitale Transformation das Innovationsmanagement in einem Unternehmen?
Richard Dratva | Die Digitalisierung macht alles schneller. Das Innovationsmanagement muss deshalb mit Personen besetzt werden, die gern hohes Tempo haben, die den Kundennutzen hinter der Technologie „herausschnüffeln“ können und die von der Digitalisierung nicht bedroht werden. So offensichtlich das klingt, ist dies noch oft nicht der Fall, insbesondere im Wealth Management.
Anesa Sebecevac | Welche Fähigkeiten brauchen Fachkräfte, um im digitalen Umfeld zu bestehen?
Richard Dratva | Beidhändigkeit. Fachkräfte müssen extrem agil sein. Die Effizienz darf dabei nicht über Bord geworfen werden.
Anesa Sebecevac | Gemäss dem Analysebericht «The Phoenix Rises: Remaking the Bank for an Ecosystem World» von McKinsey, steigt die Gefahr für Bankinstitute von digitalen Techgiganten wie Amazon und Google überrollt zu werden. Was empfiehlst du ihnen zum Start?
Richard Dratva | Auch eine kleine Bank kann für ihre Kunden erfolgreich ein attraktives Ökosystem anbieten. Insbesondere in Finanzfragen öffnet sich der Mensch nur einer limitierten Zahl von Vertrauenspersonen oder Institutionen. Da fragt man nicht gleich alle 1.3 Milliarden Facebook-User. Diese vertrauenswürdigen Teilnehmer müssen über das Ökosystem auf einfache Weise erreichbar sein. Wie Ludwig Volk, Head of Product Management ELAXY | CREALOGIX, bereits sagte, auch vor der Digitalisierung waren Banken Teile eines Gesamtsystems. Technologisch war es allerdings viel schwieriger, diese Konnektivität umzusetzen. Heute beobachten wir einen starken Impuls zur Veränderung und verfügen über die Werkzeuge, diese im Sinne eines digitalen Ökosystems umzusetzen.
Anesa Sebecevac | CREALOGIX unterstützt Banken bei der digitalen Transformation. Verrätst Du, wie wir selber innovativ bleiben?
Richard Dratva | Offenheit für Neues gehört zu unserer Kultur, Innovation zum Tagesprogramm – unsere immer stärkere internationale Ausrichtung hilft uns da ebenfalls. Durch die Expansionen gewinnen wir an Knowhow und lassen die gesammelten Impulse in die Entwicklung zukunftsgerichteter Produkte einfliessen. Zusätzlich leisten wir uns Innovationsbeschleuniger wie unser WowLab oder beteiligen uns regelmässig am Austausch in der Fintech Community, wie beispielsweise an den Finovate Shows.
Richard Dratva

Dr. Richard Dratva

Verwaltungsrats-Vizepräsident und Strategiechef (CSO)
lic. en sc. écon. HEC, Dr. oec. HSG

Dr. Richard Dratva kann sich auf eine langjährige Erfahrung im Bereich Digital Banking berufen. Schon 1997 war er als Projektleiter für Credit Suisse für die Konzeption und Einleitung der ersten Schweizer Onlinebank verantwortlich. Seitdem hat er zahlreiche Innovationsprojekte in den Bereichen Digital Wealth Management und Digital Advisory geleitet. Seine berufliche Laufbahn begann er bei der UBS. Dr. Dratva beteiligt sich aktiv an Fintech Start-Ups und wurde von finews.ch zu einer der einflussreichsten Fintech Persönlichkeiten in der Schweiz ernannt.

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