Hybride Beratung: Anything goes im Private Banking

Vom autonom entscheidenden bestens informierten Anleger bis zum wohlhabenden Investor, der die persönliche Beratung schätzt, reicht das Spektrum der Kunden im Wealth Management. Um alle Gruppen entsprechend ihren Vorlieben zu bedienen, schlagen Privatbanken den Weg der digitalen Transformation in Richtung hybrides Banking ein.

Teilnehmer einer Online-Umfrage des Investment-Strategy-Magazins Funds Europe waren schon Ende 2016 mehrheitlich davon überzeugt, dass Kunden über offene Architekturen bessere Geschäfte machen. In dieser Hinsicht betrifft die Digitalisierung die Privatbanken als Intermediäre: Sie macht ihnen ihre klassisch exklusive Rolle streitig – und sie eröffnet ihnen neue Handlungsfelder. Die Finanzinstitute wandeln sich und entwickeln Strategien für neue Beratungsmodelle. Die von Betina Wunderlich (Accenture) entworfene Zone der hybriden Beratung zeigt, wie sie den unterschiedlichen Erwartungen der Kunden gerecht werden können, indem sie persönliche und digitale Services geschickt kombinieren (siehe Abbildung).

Quelle: Accenture (2018)

 

In der eingangs erwähnten Umfrage waren fast 60 Prozent der Teilnehmer überzeugt, dass sich Investoren heute besser auskennen. Insofern sollten hybride Beratungsansätze Raum lassen für autonome Investitionsentscheidungen sowie für die Beratung mit Personen aus dem individuellen Umfeld. Eine Vielzahl von Investoren kommt heute bereits sehr gut mit einer automatisierten Portfolioverwaltung aus (Robo Advice), während im Private Banking selbstverständlich weiterhin die persönliche Beratung eine wichtige Rolle spielt. Zwischen all diesen Anforderungen gilt es, eine Balance zu finden, beziehungsweise sie sollten in einem ganzheitlichen Ansatz berücksichtigt werden. Wie in anderen Banking-Bereichen auch müssen die Institute „ihre Rolle als Teil des neuen Service-Ökosystems definieren und entsprechend mit Wettbewerbern die Bankenlandschaft der Zukunft gestalten“, schreibt Betina Wunderlich. Zudem erwartet sie eine „Neugestaltung der Preismodelle“ weg von der reinen Anlage hin zu der in Anspruch genommenen Beratung.

Sowohl Robo Advisory als auch die persönliche Beratung setzen Machine-Learning-Algorithmen ein, um dem Kunden die Investments vorzuschlagen, die besonders gut zu seiner aktuellen Situation und seinen Anforderungen passen. Christian Brandlhuber von der Teramark Technologies GmbH mahnt allerdings zur Vorsicht bei der Analyse von Kapitalmärkten. Er sieht die Zukunft in Prognosesystemen, „die in dem Sinne hybrid sind, dass sie in den Daten erkannte semantische Konzepte vor dem Hintergrund einer makroökonomischen Lage interpretieren können und damit sowohl Theorie als auch datenzentrierte Ansätze miteinander verbinden“. Zum einen lassen sich damit veränderte regionale Rahmenbedingungen in globalen Märkten in die Vorhersage einbeziehen. Zum anderen werden automatisierte Entscheidungen so an das Weltwissen der Berater gekoppelt.

Mit unserem Private-Banking-Portfolio gelingt es Finanzinstituten, eine individuelle, digital transformierte Beratungsstrategie umzusetzen. So nutzt etwa die Privatbank Hauck & Aufhäuser unser Bionic Robo Advisory für die digitale Vermögensverwaltung.