Disruption statt Evolution: Banking in den nächsten Jahren

Erst in der vergangenen Woche hat John Cryan, Chef der Deutschen Bank, einen weiteren Stellenabbau in großem Umfang angekündigt. Der gesamte Bankensektor befindet sich im Umbruch. Ein wesentlicher Faktor ist die Digitalisierung. Wie wird sich diese in den nächsten Jahren auswirken und welche Strategien verfolgen die Institute, um gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen?

Was haben Analogfilme, Lexikonbände und Videotheken gemeinsam? Niemand braucht sie mehr. Dabei haben die Menschen nicht aufgehört zu fotografieren – im Gegenteil. Sie schlagen weiter eifrig nach, wenn sie etwas wissen wollen, und „bringen“ ganze Serien. Sie machen all das, was sie früher gemacht haben – nur ganz anders. So prognostiziert McKinsey&Company in einer aus dem Jahr 2016, dass fast die Hälfte aller deutschen Bankkunden im Jahr 2020 ein Bankkonto digital eröffnen wird. Mehr als 12.000 FinTechs haben sich weltweit auf den Weg gemacht, um das Banking zu digitalisieren. Dabei schaffen sie im Eiltempo ein „New Normal“, an dem sich etablierte Institute zu messen haben.

Ertragverlust durch neue Player

Den Banken bleibt kaum Zeit, sich digital zu transformieren. Vielmehr ändert sich ihr Geschäft disruptiv. Schlimmstenfalls könnten sie nach Einschätzung von McKinsey&Company durch Kundenabwanderung und schrumpfende Margen bis zu 40 Prozent ihrer Erträge an die neuen Player verlieren. Nahezu 90 Prozent der Teilnehmer des PWC Global FinTech Reports 2017 fürchten, Marktanteile an reine FinTechs abgeben zu müssen. Vor allem in den Bereichen Payment (84 Prozent), elektronischer Zahlungsverkehr (68 Prozent) und persönliche Finanzen (60 Prozent) sehen sie ihre Umsätze gefährdet.

Auf der anderen Seite, so McKinsey&Company: „Sollten die Banken dagegen selbst ihre gesamte Wertschöpfungskette digital transformieren, können sie ihre Erträge im Idealfall sogar um die Hälfte steigern.“ Namhafte Institute beschreiten diesen Weg, indem sie entweder in Start-ups aus der Fintech-Szene oder in die eigene Technologie investieren. So berichtet Forbes, BNP Paribas plane über die nächsten drei Jahre eine Verdoppelung der Technologieinvestitionen, um sich an die veränderten Kundenerwartungen anzupassen und Kosten zu reduzieren.

Banken werden zu Selbst-Disruptoren

Im PWC-Report bekundet eine deutliche Mehrheit (56 Prozent), die Disruption zum Kern ihrer Strategie machen zu wollen. Sie orientieren sich an den FinTechs und planen einen radikalen Umbau des Geschäfts. Um ihre Kunden nicht an (reine) FinTechs zu verlieren, setzen die „Selbst-Disruptoren“ (self-disruptors) in verschiedenen Bereichen – von Bezahlfunktionen über das Banking bis zum Wealth Management – vor allem auf ein anwenderfreundliches und intuitives Produktdesign. Nicht von ungefähr zitiert PWC den IT-Leiter einer asiatisch-pazifischen Bank: „Wir konzentrieren uns auf die Kunden und darauf, sie so gut wie wir können zu bedienen. Wenn wir dazu unsere Vorgehensweise radikal verändern müssen, sei’s drum.“

Ganz so leicht dürfte es Instituten in gewachsenen Industrienationen nicht fallen, den Schalter umzulegen. Aus hochkomplexen Altsystemen werden nicht von heute auf morgen digitale, wendige Schnellboote. Viele Unternehmen suchen daher den Schulterschluss mit den neuen Playern, um sich an den von ihnen geschaffenen offenen Ökosystemen zu beteiligen und Innovationen umzusetzen. Knapp 60 Prozent der von PWC befragten Schweizer Institute geben an, bereits mit FinTechs zu kooperieren – mehr als 80 Prozent wollen dies in den kommenden drei bis fünf Jahren tun. In Deutschland klettert der Anteil von 70 auf 78 Prozent.

Beide Seiten profitieren von Kooperationen

Es zeichnet sich ab, dass Banken ein Stück weit zu Fintechs werden. Auf der anderen Seite integrieren sich Fintechs in Bankenstrukturen. Das ist vielversprechend für beide Seiten, denn kaum ein Fintech ist dazu in der Lage, das gesamte Spektrum klassischer Bankdienstleistungen anzubieten. Laut McKinsey&Company bietet rund ein Viertel der Technologieunternehmen ausschließlich Lösungen zum Zahlungsverkehr an. Außerdem engagieren sie sich überwiegend im Private Banking. Über Kooperationen mit erfahrenen Finanzinstituten könnten sie sich Zugang verschaffen zu wertvollem Knowhow im Geschäftskundenbereich.

Auch die breite Kundenbasis sowie ihre enormen Datenbestände sprechen aus Sicht der Fintechs für den Zusammenschluss mit etablierten Banken, die als starke Marken zudem Türöffner in verschiedene Kundensegmente hinein sein können. Wie sich die Zusammenarbeit im Einzelnen gestalten lässt, werden die nächsten Jahre zeigen. Die technologischen Grundlagen sind mit offenen Plattformen wie unserem Digital Banking Hub bereits geschaffen. Über eine API-basierte Architektur lassen sich alle erdenklichen Lösungen miteinander kombinieren und ins Kernbankensystem integrieren.

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