Corporate Banking: mit aggregierter Sicht der User Experience auf die Sprünge helfen

Mehr als 80 % Ihrer Firmenkunden pflegen mehrere Bankbeziehungen. Finanztransaktionen sind daher für Firmen heute häufig mit einem hohen manuellen Aufwand verbunden, da Dateien aus verschiedenen Systemen hochgeladen werden müssen, das Onlinebanking mehrerer Institute anzusteuern ist und in der Regel weitere Mitarbeiter die Zahlungen freigeben müssen, damit diese letztlich abgeschlossen werden. Mit Portallösungen, die eine aggregierte Sicht auf sämtliche Konten bei allen Banken und damit einen konsolidierten Zugriff und alle Funktionen bieten, machen Banken den Anwendern das Leben leichter und sie binden die Firmenkunden an sich. Multibanking ist damit eine zentrale Anforderung im Business- und Corporate-Banking.

Im März dieses Jahres hat die BCG (Boston Consulting Group) den Report Global Corporate Banking 2018 herausgebracht. Für die kommenden fünf Jahre erwarten die Analysten dramatische Veränderungen: Bis zu 30 Prozent des Umsatzes im Firmenkundenbanking stehen zur Disposition und könnten an digitale Plattformen und Kanäle verlorengehen. Dieser Gefahr ist sich die Führungsebene in den Banken durchaus bewusst. So stimmten 86 Prozent der von BCG befragten Entscheider der Aussage zu, dass die Digitalisierung das Wettbewerbsumfeld und das Geschäftsmodell im Firmenkundenbereich grundlegend verändern wird. Die Studie benennt verschiedene Gründe:

  • Die Firmenkunden selbst sind heftig dabei, ihr operatives Geschäft zu digitalisieren, und erwarten, auch Banken in ihre Szenarien einbeziehen zu können.
  • Es gibt immer mehr mächtige digitale Tools – Robotic, Big Data, AI, Blockchain – und die Unternehmen passen ihre Infrastruktur an, um diese nutzen zu können.
  • Die Digitalisierung entfaltet eine Eigendynamik. Je stärker sich die Wertschöpfungskette der Banken verändert, desto mehr Ansatzpunkte für neue Geschäftsmodelle bieten sich den neuen Playern.
  • Fintechs bauen einen hohen Wettbewerbsdruck auf.
Quelle: https://www.bcg.com/publications/2018/global-corporate-banking-2018-unlocking-success-through-digital.aspx

Dem fühlen sich lediglich ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten umfassend gewachsen (siehe Abbildung). „Um den Wandel anzugehen, gilt es erst einmal, eine eigene Vorstellung davon zu entwickeln, wie sich das Firmenkunden-Banking entwickeln wird und welche Rolle das eigene Institut in der neuen digitalen Umgebung spielt“, heißt es in dem Report und die Autoren warnen eindringlich davor, in Aktionismus zu verfallen, ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, wohin die Reise strategisch geht.

Digitalisierung diversifiziert Corporate Banking

Wie im gesamten Bankensektor treibt die Digitalisierung auch im Corporate Banking eine Diversifizierung unterschiedlicher Geschäftsmodelle voran. Die nächstliegende Idee: weiterhin die eigenen Produkte und Services zu verkaufen. Um damit mittelfristig erfolgreich zu sein, muss sich das Institut allerdings in allen Bereichen digitalisieren und Innovationen kontinuierlich in das eigene Geschäftsmodell integrieren – ein Weg, den nur eine Hand voll Institute von jetzt auf gleich erfolgreich zurücklegen können, so der BCG-Report.

Spezialisten, beispielsweise für einzelne Branchen, könnten den Zugang zu ihrer Kundengruppe monetarisieren, indem sie ein digitales Ökosystem aufbauen und die Kunden mit einem über Drittanbieter erweiterten Leistungsspektrum umfassend bedienen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, in hocheffiziente digitale Plattformen zu investieren, über die Firmenkunden ein breites Spektrum an eigenen Lösungen, Angeboten anderer Banken und weiterer Drittanbieter beziehen können. Schließlich kann es auch der beste Weg sein, die eigenen Nischenprodukte über Plattformen anderer Unternehmen anzubieten.

E-Banking-Portal für Firmenkunden

Welchen Weg das Finanzinstitut auch beschreitet: Bei der User Experience herrscht im Firmenkundensegment ein gravierender Nachholbedarf. Während sich Privatleute heute schon mühelos mit aufwändig gestalten Apps durch ihr gamifiziertes Banking klicken, sieht der Arbeitsalltag in der Buchhaltung häufig trist aus: Die Onlineportale der verschiedenen Banken, bei denen ein Unternehmen Kunde ist, müssen einzeln angesteuert, Datei für Datei muss hochgeladen werden. Eine Gesamtübersicht fehlt. Mit einem Digital Banking Hub als technologischer Grundlage können Finanzinstitute E-Banking-Portale für Firmenkunden entwickeln, die multibankfähig sind und so einen Gesamtüberblick über die aktuelle tatsächliche Liquidität bieten. Schließlich bildet der Zahlungsverkehr das Fundament allen Wirtschaftens.

Da sich das Firmen- in vielen Fällen als ertragreicher als das Privatkundengeschäft erweist, lohnt es sich für Banken durchaus, sich die Frage zu stellen, wie sie die professionellen Anwender unterstützen können. Neben einem übersichtlichen, mehrbankenfähigen Online Banking mit individuell definierbaren Workflows und Berechtigungskonzepten spielt die Selbstadministration eine wichtige Rolle. So ist es heute nicht mehr zeitgemäß, den neuen Geschäftsführer eines Unternehmens in eine Filiale zu bitten, um sich zu identifizieren. Vielmehr sollte er die Möglichkeit haben, dies rechtssicher digital zu tun. Verschiedene Verfahren wie etwa die Videoidentifikation lassen sich in Banking-Portale einbinden.

Marktanteile von Softwareanbietern mit Online Banking gewinnen

Die Banken gewinnen Zeit, wenn sie Routineprozesse digitalisieren. Auf der anderen Seite fällt es kleinen und mittelständischen Unternehmen leichter, ihre Liquidität zu sichern und auf diese Weise sowohl Kosten als auch Risiken zu senken. Große Unternehmen und Konzerne setzen für das Cash Management in der Regel Softwarelösungen ein. Hier treten nun Banken mit attraktiven Angeboten als Mitbewerber auf den Plan: Die Firmenkunden sparen sich Software- und Wartungskosten und müssen nicht länger Updates installieren.

Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass sich gut gemachte Portale mit einer intelligenten Verwaltung von Zugriffsrechten gut monetarisieren lassen. Zugleich dienen sie als Türöffner für Zusatzerträge, etwa indem Factoring-Anbieter, cloudbasierte Buchhaltungslösungen oder sogar betriebswirtschaftliche Softwaresysteme angebunden werden. Jedes Finanzinstitut ist gefordert, seine Rolle im digitalen Ökosystem zu finden. Die Branche hat gerade erst begonnen, das Potenzial von Open Banking im Firmenkundenbereich auszuschöpfen.