Blick nach Asien: Boomender Fintech-Markt und offene Anwender

Der enorme Erfolg von Ant Financial wirft ein Schlaglicht auf die boomenden Fintech-Märkte Asiens. Auch die europäische Finanzindustrie und Technologieszene gerät dadurch in Zugzwang. Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe und zeigen Perspektiven auf.

Weitere 14 Milliarden Dollar, erfuhren wir in der vergangenen Woche, konnte der chinesische Zahlungsabwickler Ant Financial, in einer neuen Finanzierungsrunde einsammeln. Mit einer Bewertung von 127 Milliarden Euro laut Bloomberg ist der Betreiber des Zahlungsdienstes Alipay das teuerste Fintech und Startup der Welt – ein Vorzeigeunternehmen der ehemaligen Mutter Alibaba, die das Unternehmen noch immer kontrolliert. „Das Unternehmen braucht das Geld vor allem für die weltweite Expansion, aber auch um sich im Heimatmarkt gegen die stärker werdende Konkurrenz zum Beispiel durch Tencent zu wehren“, heißt es im manager magazin.

Zwischen Alipay und PayPal liegen Welten

Chris Skinner warnt davor, Ant Financial und Alibaba als rein chinesische Player zu verkennen: “Ant Financial is an open marketplace of apps, APIs and analytics, that I’ve been describing for a while as the Open Sourced Financial Marketplace. They got the idea before many others and, unlike many others, have the billions of dollars to make it happen on a globalised basis.” Rund neun Billionen Dollar wurden im Jahr 2017 über die Mobile-Payment-Plattform Alipay abgewickelt, während PayPal vergleichsweise niedrige Zahlungsbewegungen im Gesamtwert von 451 Milliarden Dollar aufweist.

Mit der Ameise im Namen deutet Ant Financial an, sich vor allem auf die kleinen Leute zu konzentrieren. „Das beschreibt das Geschäftsmodell außerordentlich gut, schließlich gehört ein großer Teil der Kunden zur Gruppe der sogenannten ‚Underbanked‘ – Menschen oder kleine Geschäfte mit eingeschränktem Zugang zu den Finanzdienstleistungen, die normalerweise im Privatkundengeschäft angeboten werden“, so das Handelsblatt. Das mag den deutlichen Abstand zwischen Alipay und Paypal erklären, zielt doch das amerikanische Unternehmen auf einen gut versorgten Banking-Markt ab. Allerdings sorgen auch in anderen Bereichen asiatische Fintechs für Aufsehen. So wurden allein im ersten Quartal 2018 mehr als zwei Milliarden US-Dollar in den dortigen Markt investiert, was ein Finanzierungswachstum gegenüber des letzten Quartals 2017 von 188 Prozent bedeutet.

Die Kapitalgeber aus Europa und den USA suchen zum einen nach Alternativen zu den saturierten heimischen Märkten und versprechen sich zudem hohe Renditen wegen der rasch wachsenden Mittelschicht in vielen asiatischen Ländern und der hohen Smartphone-Affinität der Bevölkerung. Westliche Finanzinstitute suchen zudem nach Kooperationsmöglichkeiten mit den starken asiatischen Playern. Sie beabsichtigen damit unter anderem, ihre anspruchsvollen Kunden in Finanz-Hotspots wie Singapur und Hongkong mit innovativen Wealthtech-Lösungen zu bedienen.

Keine Fintech-Revolution ohne echte Innovation

In seiner Vorstellung der Zukunftsstudie „Banking 2025“, stellt Prof. Dr. Remigiusz Smolinski, Leiter des Business Development und Innovationsmanagement der comdirect Bank AG, fest, dass die große Fintech-Revolution bisher ausgeblieben sei. Das hängt aus seiner Sicht damit zusammen, dass die Angebote der Startups nicht unbedingt im engeren Sinne Innovationen sind: „Eine Innovation unterscheidet sich von einer guten Idee oder einer Erfindung dabei in der Tatsache, dass die Innovation nicht nur intern als entwicklungsfördernd angesehen, sondern auch von den Kunden für ihre vorhandenen Bedürfnisse als relevant angesehen wird.“ Es falle den Kunden mitunter schwer, den Mehrwert der Angebote zu erkennen. Die oben genannten Zahlen belegen, dass es Menschen in asiatischen Ländern offensichtlich leichter fällt, den Nutzen verschiedener Anwendungen in ihrem alltäglichen Leben zu erkennen. Wer keine Hausbank hat, wie wir sie kennen, wird die Möglichkeit gerne nutzen, mit dem Smartphone zu zahlen, ohne eine entsprechende eigene Infrastruktur mitbringen zu müssen.

Der Studie „Banking 2025“ ist ferner zu entnehmen, dass sowohl Banken- als auch Fintech-Vertreter sich zunehmend als Kooperationspartner sehen. Je stärker große Technologieunternehmen in den Markt drängen werden, desto mehr sind die Finanzinstitute gefordert, „ihre Innovationszyklen zu verkürzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, was den Schulterschluss zu Fintechs forcieren dürfte. „Allerdings müssen die Banken ihre Dienstleistungen, Produkte und ihre internen sowie externen Prozesse flexibler aufstellen, um möglichst schnell neue Technologien antizipieren zu können. Auf dieser Grundlage könnten sie dann auch strategische Allianzen eingehen.“, so Prof. Dr. Remigiusz Smolinski. Den „Schlüssel zum zukünftigen Erfolg“ sieht er „in der adäquaten Nutzung von offenen API-Schnittstellen“. Mit unserem Digital Banking Hub realisieren Finanzinstitute ein Open Banking, das diese Nutzung ermöglicht. So kann es gelingen, icht nur den GAFAs mit ihrem US-amerikanischen Ursprung, sondern auch Unternehmen wie Alibaba und Tencent die Stirn zu bieten.