Bausparkassen aufbauen – der einzige Weg geht nach oben?

Kürzlich habe ich angemerkt, dass die Entwicklung einiger der Großbanken mit verschiedenen Produkten hin zum Moloch möglicherweise weder so unvermeidlich noch so unwiderstehlich sein mag, wie es einmal schien. Die Vorteile, die sie von großangelegten Kundenleistungen, in der EDV und bei der Konsolidierung der Vermögenswerte der Kunden erzielen, könnten schwinden – oder sich in manchen Bereichen auch in Belastungen umkehren. Wie auch immer: dieselben technologischen und regulatorischen Veränderungen, die sich so sehr stark auf die großen Banken auswirken, werden auch einen Einfluss auf kleinere Player im Finanzsektor haben. Eine der am interessantesten in Betrachtung zu ziehenden Gruppen sind die britischen Bausparkassen, für die die Veränderungen entweder eine größere Bedrohung darstellen können oder, wie ich dies darlegen werde, eine Gelegenheit für mehr Prosperität bieten. Für diejenigen Leser außerhalb Großbritanniens, die die Bausparkassen vielleicht nicht kennen – und für die in Großbritannien, die einen kurzen Auffrischungskurs zu diesen oft vernachlässigten Einrichtungen benötigen, lassen Sie mich kurz erklären, was sie sind und weshalb sie von Interesse sind.

Die britischen Bausparkassen lassen sich am besten als eine besondere Form von Spar- und Darlehenskassen beschreiben, die als Gesellschaften auf Gegenseitigkeit organisiert sind und von ihren Mitgliedern gehalten werden. Wichtig ist, dass sie in ihrer Darlehensaufnahme und -vergabe insofern eingeschränkt sind, als 75 % ihrer Tätigkeit darin bestehen muss, private Baufinanzierungen zur Verfügung zu stellen; die meisten der Gelder, die sie als Darlehen vergeben, stammen von ihren Einlegern und es gibt eine Höchstgrenze für die Gelder, die sie auf dem Markt aufnehmen können. Die 45 verbliebenen Gesellschaften, die es schon lange gibt und die über einen treuen Kundenstamm verfügen, stellen etwa 21 % der britischen Baufinanzierungen und haben einen Marktanteil von 18 % bei den Kundeneinlagen. Dieser Sektor wird weitgehend respektiert und im Großen und Ganzen im Nachgang der Finanzkrise als schwungvoll gesehen, er ist aber auch nicht frei von Problemen: der Zugang zum Kapital, die Einschränkungen und die Kosten für die Zweigstellennetze und die technologischen Aufwendungen hatten zur Folge, dass es nur wenige Möglichkeiten für ein schnelles Wachstum gab. In diesem Artikel lasse ich die Frage des Kapitals beiseite und konzentriere mich auf die technologischen Fragen, mit denen sich die Bausparkassen konfrontiert sehen, insbesondere auf dem sich wandelnden Markt für Finanzdienstleistungen – auch wenn, wie wir sehen werden, die neuen Technologien sich auf alle Aspekte der Geschäftsmodelle der Bausparkassen auswirken.

Die Bausparkassen sind es gewohnt, sich dem Wettbewerb zu stellen. Im Laufe der Jahre mussten sie auf immer größere Bedrohungen seitens der großen High-Street-Banken und auf das Auftauchen von angreifenden Banken wie Virgin Money und Metro Bank und von großen Einzelhandelsfirmen wie M&S und Tesco reagieren. Nicht alle diese Banken bieten Baufinanzierungen an, aber alle stehen mit den Bausparkassen bei der Annahme von Einlagen von Privatkunden in Konkurrenz. Vor kurzem haben wir den Einstieg einer anderen Gruppe von Wettbewerbern festgestellt: der ersten „Digital-first“-Banken wie der Starling Bank und der Atom Bank. Diese letzte Bedrohung ist zwar zur Zeit noch gering, kann aber die Vorhut für eine noch ernsthaftere Bedrohung werden. Um die Gründe dafür zu verstehen, müssen wir uns das sich verändernde technologische und regulatorische Umfeld für das Bankenwesen in der EU anschauen.

Die beiden Bereiche der Technologie und der Regulation mögen als ein merkwürdiges Paar erscheinen, in den kommenden paar Jahren werden sie aber untrennbar miteinander verbunden sein. Sowohl die Richtlinie über Zahlungsdienste (Payment Services Directive – PSD2) als auch die neuen digitalen und Handy-Apps würden schon separat größere Umstürze auf dem Sektor der Finanzdienstleistungen mit sich bringen. Zusammen genommen ist es wahrscheinlich, dass sie einen Tsunami der Umwälzungen hervorrufen werden. Die PSD2 wird den Zahlungssektor auch für Application Service Provider öffnen, die eben keine Banken sind, was alle Banken und anderen Marktteilnehmer, die Zahlungsanweisungen erteilen und annehmen, zwingen wird, Schnittstellen zu Apps zur Verfügung zu stellen, über die Drittparteien bei Transaktionen für Kunden auftreten können. Die Bedrohung für die Bausparkassen ist offensichtlich: Einer ihrer wichtigsten Pfründe, ihre Beziehung zu ihren Kunden, kann von neuen Anbietern von Serviceleistungen angezapft werden, deren digitale Apps möglicherweise in der Lage sein werden, den Nutzern Zugang zu vielen Finanz- und Bankleistungen zu verschaffen. Außerdem werden viele andere Einlagen führende Einrichtungen wie etwa die neuen „Digital-first“-Banken in der Lage sein, in den Wettbewerb um Kundengelder mittels einer einfachen Technologie des „Klicken-und-Verbindens“ einzusteigen, die den Kunden auf ihren Computern oder Mobilgeräten zur Verfügung steht. Der örtliche Kundenstamm vieler Bausparkassen, welcher derzeit noch als Stärke gesehen wird, wird vermutlich immer stärker durch virtuelle Banken bedroht werden, die es nicht nötig haben, die Kosten des Sektors zu tragen, und Kunden aus dem gesamten Land anziehen können. Zwar mag die Seite der Darlehensvergabe bei der Tätigkeit der Bausparkassen schwieriger zu erobern sein, wenn die Einlagen aber unter Druck geraten, wird auch sie bedroht werden. Die Anziehungskraft der Herausforderer bei der privaten Baufinanzierung ist schon sichtbar und wenn sie Vorteile aus der PSD2 schlagen, um einer größeren Kundschaft mehr Produkte anzubieten, dann werden diese Player versuchen, die Hypothekenkunden von den Bausparkassen abzuwerben. Trotzdem glaube ich immer noch, dass die Bausparkassen insgesamt von den Änderungen der Vorschriften und der Technologie profitieren werden, nicht weil ich ein blauäugiger Optimist wäre, sondern weil die Bausparkassen einige besondere Vorteile haben, die ihnen bei der bevorstehenden Umwälzung sehr zugute kommen werden.

Anders als dies bei den großen High-Street-Banken der Fall sein wird, deren Multi-Produkt-Angebote vermutlich von spezialisierten Anbietern weggenommen werden, die neue digitale Apps gemäß den Bestimmungen der PSD2 verwenden werden, um die Bankkunden zu erreichen. Die spezielle Ausrichtung der Bausparkassen kann zu ihrer großen Stärke werden. Diese Unternehmen werden gut positioniert sein, um ihre Rolle als spezielle Anbieter von privaten Baufinanzierungen auszubauen, in welchem Bereich sie über das Fachwissen, die Leistungsbilanzen und Qualitätsmarken verfügen. Das allerdings wird nur gelingen, wenn die Bausparkassen die Gelegenheiten beim Schopf ergreifen, die ihnen die EDV-Technologien bieten, um mehr potentielle Kunden zu erreichen. Sich nur auf die bestehenden Zweigstellennetze zu verlassen, wird nicht ausreichen, um auf lange Sicht einen Verteidigungswall gegen den digitalen Wettbewerb zu errichten.

In der Vergangenheit stellte die Technologie für die Bausparkassen ein Problem dar; nur wenige von ihnen meinten, fit genug zu sein, um es mit den High-Street-Banken aufzunehmen, die in große integrierte Systeme investiert haben. Diese Situation kehrt sich aber gerade um. Wie die „Digital-first“-Banken gezeigt haben, ist das Fehlen einer schwerfälligen (und oft nicht amortisierten) Alttechnologie ein klarer Vorteil. Schon der Umstand, dass nur wenige Bausparkassen hohe Investitionen bei digitalen Online-Produkten gemacht haben, bedeutet, dass sie jetzt die Vorteile der neuen Generation von Apps nutzen können, die ihre speziellen Produkte bei einem größeren Kundenkreis anbieten können. Es gibt inzwischen digitale Tools für das Kundenmanagement, Apps zur Konteneinsicht und sichere Transaktionsmodule, die auf dem Computer oder den Mobilgeräten der Kunden geladen werden können. Leistungen, die noch vor nur einigen Jahren als zu teuer eingestuft wurden, um sie den Kunden der Bausparkassen anzubieten, gibt es inzwischen weitgehend zu sehr viel geringeren Kosten. Wenn sie diese digitale Zukunft annehmen, können die Bausparkassen nicht nur ihr Fachgebiet der Einlagenannahme schützen, sondern ihre Darlehensprodukte auch einer größeren Gruppe potentieller Kunden zugänglich machen.

Vor den Bausparkassen liegen ganz klar Herausforderungen; vorrangig wird es sein, die eigene Identität und die Loyalität der Kunden zu wahren. Ich glaube allerdings, dass der beste Weg dahin darin besteht, die neuen digitalen Technologien zu übernehmen, statt sie als eine Bedrohung zu betrachten. Die Bausparkassen haben bisher überlebt, weil ihre Produkte und ihr Ruf gesund sind; damit werden sie im neuen Zeitalter der Finanzdienstleistungen einen enormen Vorteil haben.

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