«Banken müssen die Gunst der Stunde nutzen»

PricewaterhouseCoopers (PwC) untersucht in der jüngst erschienenen vierten Auflage seiner Studie «Outsourcing in der Finanzindustrie» aktuelle Trends und Herausforderungen für Banken, Dienstleister und FinTechs. Unser Board of Directors Vice President & Chief Strategy Officer, Dr. Richard Dratva, wurde im Rahmen dieser Studie von PwC als Experte zu aktuellen Entwicklungen strategischer Partnerschaften auf dem deutschen und europäischen Bankenmarkt befragt. Er weiss: Banken müssen die digitale Transformation wollen.

 «Strategische Partnerschaften sind bestimmend für das Banking der Zukunft»

PwC versteht in seiner Studie strategische Partnerschaften als langfristige und strukturierte Zusammenarbeit zwischen Bank und Dienstleister, um gemeinsam einen Vorteil aus den Marktgegebenheiten zu ziehen oder effektiver auf Kunden reagieren zu können. Auf dem Bankenmarkt spielen strategische Partnerschaften eine entscheidende Rolle: «Sie sind die bestimmende Komponente für das Banking der Zukunft, nicht nur für ‘voll-digitale’, sondern auch für hybride Geschäftsmodelle», sagt Richard zu PwC. Dies gelte nicht nur vor dem Hintergrund neuer regulatorischer Anforderungen wie PSD2. «Der Markt ist einfach reif: Über Apps lassen sich Partnerangebote hervorragend beim Kunden platzieren und über digitale Hilfsmittel können Banken in Echtzeit sehr genau die richtigen Empfänger für das jeweilige Angebot ermitteln. Die Voraussetzungen für einen effizienten digitalen Vertrieb sind somit geschaffen und es ist an den Banken, die Gunst der Stunde zu nutzen.»

«Open Banking ist keine Einbahnstrasse»

Richard beobachtet, dass viele Institute den durch PSD2 erzeugten Veränderungsdruck eher als Pflichtübung und nicht als Chance begreifen: «Leider ist noch nicht in den Chefetagen aller Banken angekommen, dass Open Banking keine Einbahnstrasse ist, die nur zur Abgabe von Bankdaten an Dritte verpflichtet, sondern der klassischen Hausbank auch neue Potenziale in der Aggregation von Daten und Angeboten eröffnet.» Für einen erfolgreichen Einstieg ins Open Banking benötige eine Bank neben einer geeigneten Plattform-Infrastruktur zur Orchestrierung des eigenen digitalen Gesamtangebotes vor allem geeignete Partner: «Wollen die Banken ihren Kunden ein abgerundetes und umfassendes finanzielles Ökosystem anbieten, dann können sie gar nicht anders als sich Kooperationspartner zu suchen, da sie nicht alle Leistungen selbst erbringen können.» Dessen sind sich auch die befragten Banken bewusst. Laut den Ergebnissen der PwC-Studie erhoffen sich 73 Prozent der Dienstleister durch Auslagerung Zugriff auf spezialisierte Ressourcen. Sie bauen über langfristige strategische Partnerschaften ihre Kompetenzen dahingehend weiter auf, um modulare Services anbieten zu können, eine höhere Kosteneffizienz zu erreichen und sich auf die eigenen Kernkompetenz fokussieren zu können.

«Das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen»

Markus Schmermer, Senior Manager bei PwC Deutschland sieht anhand der Studienergebnissen, dass sich der Outsourcing-Markt in den kommenden Jahren stark verändern wird: «FinTechs werden zu Dienstleistern und Dienstleister zu strategischen Partnern. Das Leistungsangebot wird flexibler, ausgereifter und zukünftig auch komplexere Funktionen umfassen – hieraus ergeben sich neue Möglichkeiten für Banken.» Die Entwicklung vom klassischen Kreditinstitut hin zum Orchestrator von Services sei vor allem aber eine Frage der Einstellung, so Richard: «Die Bank muss den Wandel wollen und bereit sein, radikal umzudenken. Im Grunde gehört das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand.» In der operativen Umsetzung gehe es für Banken vor allem darum, sich von der herkömmlichen Vorstellung des grossen, bis ins Letzte planbaren Wurfs zu verabschieden und stattdessen eine agile Politik der kleinen Schritte zu verfolgen. Hierbei gelte jedoch: «Wer in den kommenden zwei Jahren nichts tut, verliert den Anschluss und schränkt den eigenen Handlungsspielraum drastisch ein. Dass der ‘Late Follower’ das Feld von hinten aufrollt, kommt eher in Hollywood als in Frankfurt vor.»

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